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Wissenschaft ist keine Hexerei

Einleitung
Alle Forschung beginnt mit Wissen. Will ich einen Sachverhalt erforschen, muss ich mir – ausgehend vom eigenen Wissen - zunächst einen Überblick verschaffen, wie der Stand der Forschung allgemein ist. Das ist die Recherche.
Im Allgemeinen entdecke ich dann recht bald eine Vielfalt von Gelehrtenmeinungen, auch Thesen genannt, die ich entweder widerlegen oder bestätigen, gegeneinander abwägen oder zu neuen Thesen zusammenführen, kann. Meist muss ich mich bereits an dieser Stelle entscheiden, welche dieser Richtungen ich bei der weiteren Arbeit einschlage.

Recherche
Das Vorgehen bei jeder Recherche ist immer gleich und auf alle Themengebiete immer wieder anwendbar:

Zunächst suche ich mir eine möglichst einfache Quelle zu meinem Thema. Das kann ein einfaches, möglichst kurzes Buch oder ein Artikel sein, aber auch jemand, der über das Thema schon recht viel weiß und mir mündlich einen Überblick gibt, damit ich verstehe, worum es im Kern bei meinem Thema geht.
Daraufhin habe ich einen roten Faden oder einen Art Kompass, anhand dessen ich immer wieder meine Richtung überprüfen kann: Bin ich noch im Thema oder verliere ich mich in Nebengedanken und abseitigen Optionen? (Wenn ja, wie gliedere ich das sinnvoll ein? Oder muss ich es weglassen, um nicht vom eigentlichen Thema abzulenken?)

Nachdem ich also grob weiß, worum es geht, kann ich nach Einzelaspekten des Themas suchen und versuchen, diese Aspekte sinnvoll zu unterteilen, zu sortieren und zu hierarchisieren.

Beispiel:
Wie entsteht der Klang einer Gitarre?
a) Physikalische Voraussetzungen
b) Handhabung

Ein Wissenschaftler wird nun versuchen, zu diesen Einzelaspekten fachlich anspruchsvolle und detaillierte Quellen zu finden und vermutlich die beiden Aspekte weiter untergliedern von allgemeinen hin zu speziellen Erkenntnissen.
Weitere Quellen findet man bei der Stichwortrecherche, heute oft genug im Internet oder direkt in den Schlagwortkatalogen der Bibliotheken. Jede seriöse Quelle hat ihrerseits ein Quellenverzeichnis, aus dem man Bücher oder Texte auswählen kann, um die ganze Breite des Themas auszuloten oder immer tiefer ins Detail zu gehen.

Beispiel:
Wie entsteht der Klang einer Gitarre?
a) Physikalische Voraussetzungen
a. Grundlagen zum Schall (Naturgesetze)
b. Materialeigenschaften in Bezug auf Schallerzeugung
c. Aufbau und Arten der Gitarre
i. Grundform
ii. Konzertgitarre
iii. Westerngitarre
iv. Elektro-Gitarre
v. ...
b) Handhabung
a. Grundlagen des Gitarrenspiels
b. Techniken des Gitarrenspiels
i. Klassische Gitarre
ii. Rhythmusgitarre
iii. ...

In vielen Fällen endet die Wissenschaftliche Arbeit hier schon. Das detaillierte Zusammentragen und Gliedern der bereits vorhandenen Erkenntnisse wird (leider) oft schon als wissenschaftliche Leistung gesehen. Bis hin zum Niveau von Diplomarbeiten.

Oberhalb dessen kommt dann aber die eigentliche, kreative Arbeit zum Tragen. Ab hier kann vielleicht wirklich von einer besonderen Qualifikation von Akademikern gesprochen werden. Die meisten Diplomanden erreichen diese Qualifikation nicht.
Wenn nämlich das zusammengestellte Wissen dazu genutzt wird, um neue Beziehungen zwischen dessen einzelnen Aspekten aufzudecken und zu nutzen, dann kann tatsächlich etwas neues erschaffen werden. Das sind dann neue Erkenntnisse, die per Deduktion – also per Rückschluss aus dem Bisherigen – erzielt werden.

Wenn also unser Beispielwissenschaftler umfassende Kenntnisse über Grundvoraussetzungen zur Schallerzeugung sowie Eigenschaften und Funktionen der Gitarre hat, dann kann er diese nutzen, um vielleicht eine ganz neue Form von Gitarre erfinden. Oder zumindest Verbesserungsvorschläge für einzelne Teile machen. Oder aber er kann keine neuen Vorschläge machen und bestätigt so die Thesen der bisherigen Gitarrenbauer – nämlich dass die schon alles herausgefunden hatten.

Empirische Forschung
Eine andere Art von Forschung ist die Empirische Forschung. Also die Forschung per Versuchsreihe.
Hierzu wird anfangs ebenfalls recherchiert – bei der Deduktion wird jedoch nicht einfach die neue Erkenntnis durch Neukombination der bisherigen Erkenntnisse erstellt, sondern es wird eine These formuliert, die dann empirisch überprüft werden kann.

Beispiel:
These: Wenn das Material der Saiten der Gitarre auf eine gewisse Weise neu konzipiert wird, dann reißen diese seltener und klingen besser.

Versuchsreihe zur Überprüfung:
a) Erstellung der Saiten aus dem besagten Material unter streng kontrollierten, gleichartigen Bedingungen in einer statistisch als repräsentativ ermittelten Menge.
b) Bespielung der Saiten in einer gleichartigen, streng kontrollierten Weise (vorzugsweise nicht von hand, da zu ungleichmäßig und zu unterschiedlich von Individuum zu Individuum).
c) Messung des Klangs vorzugsweise mit technischen Instrumenten, nicht Beurteilung durch menschliche Ohren, da zu leicht zu beeinflussen, zu individuell.
d) Genaue Aufzeichnungen über die Haltbarkeit der Saiten, Messungen in vorher bestimmten Bespielungsintervallen und natürlich präzise Aufzeichnung, wann welche Versuchssaite reißt. Statistische Berechnungen über die durchschnittliche und maximale Haltbarkeit der Saiten.


Mein persönliches Fazit:
Wissenschaft ist die Anwendung immer gleicher Methoden der Recherche, Deduktion und Überprüfung auf verschiedene Themen. Die Methodik ist simpel, wird aber in meinen Augen von Wissenschaftlern stets so kompliziert formuliert, dass jeder Nicht-Akademiker in Ehrfurcht erstarrt und die Aufgaben der Wissenschaft nicht in Frage stellt, weil er glaubt, sie nicht zu verstehen.

Unter dem Stichwort „Wissenschaftlich arbeiten“ findet man im Internet und in den Bibliotheken übrigens meist lediglich die Zitier-Regeln – was ich eigentlich schon als zynisch empfinde. Es sagt viel über unsere Forschung.

Es ist durchaus richtig, dass nicht jeder Mensch die Intelligenz besitzt, um sinnvoll wissenschaftlich zu arbeiten – aber die besitzen leider viele unserer Wissenschaftler auch nicht. Im Gegenzug allerdings könnte fast jeder Bürger mit gesundem Menschenverstand beurteilen, ob ein Forschungsthema sinnvoll ist oder nicht. Man müsste sich nur die Mühe machen, es verständlich auszudrücken. Die so genannte Wissenschaftselite achtet aber peinlichst darauf, dass die Wissenschaft sich keiner allgemein verständlichen Sprache bedient.

Dadurch, dass das Wissen heute bereits in Breite und Tiefe so ausgedehnt ist, wird es für Wissenschaftler immer schwieriger, noch vorhandene Wissenslücken zu entdecken. So suchen sie sich oft Wissenslücken, die zwar existieren, aber keinen praktischen Nutzen haben, statt sich an dem zu orientieren, was wir konkret nutzen könnten. Mit Hilfe der Recherche können sie jede noch so unsinnige Thematik aufblähen und jede noch so winzige Lücke zu einer Doktorarbeit hochstilisieren. Unser Beispiel mit der Gitarre wäre eine Diplomarbeit von mindestens drei Monaten Dauer – ohne jede neue Erkenntnis. Ein aus einer täglich gebrauchten Selbstverständlichkeit heraus aufgeblähtes Thema.

Der Dünkel der hochgestellten Wissenschaftler verhindert zudem, dass den jungen, angehenden Forschern ihre Aufgabe klar wird und sie sich frühzeitig daran üben, neues zu finden und neues zu schaffen. Studenten und Diplomanden sind Fußvolk, von dem keine eigenen Erkenntnisse erwartet werden, ja diese sogar als anmaßend angesehen werden.

Wissenschaft ist heute vor allem Politik. Denn die Politik sorgt für die Finanzierung der Unis – und somit wird kein Wissenschaftler auf einem Gebiet forschen, das der Politik ein Dorn im Auge ist. Nicht wirklich an alternativen Energiekonzepten, nicht wirklich an Alternativen zum Individualverkehr.
Das ist ungefähr so, als lebte ein Forscher auf einem Gut der alten Südstaaten und fragte den Gutsherren und Sklavenhalter, ob er nach einer Methode forschen solle, die die Sklavenarbeit wertlos mache. Natürlich nicht. Er soll lieber die Wirkung und Lautstärke der Peitsche verbessern, mit der die Sklaven angetrieben werden, dafür erhielte er dann die Mittel.
Hätte Wissenschaft immer unter den heutigen Prämissen stattgefunden, wäre vermutlich die Dampfmaschine bis heute nicht erfunden.

Kleiner Nachsatz für alle mäkelnden Akademiker: JA, der Sachverhalt ist stark vereinfacht dargestellt. Wer den Text aufmerksam gelesen hat, und noch immer an der Vereinfachung herummäkelt, der hat ihn offensichtlich nicht verstanden.
Und JA ich bin selbst Akademikerin, kenne den Wissenschaftszirkus von innen, aber ärgere mich glücklicherweise inzwischen von außen.

27.8.08 18:46
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


MondSchwester / Website (20.1.09 00:07)
##Wissenschaft ist keine Hexerei##

Oh doch, die Hexenkunst ist eine Wissenschaft für sich. Eine Wissenschaft zum Selberdenken und selberforschen.

Schöne Grüße, MondSchwester.

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