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Ewige Jugend

Gerade hörte ich auf 3Sat eine Diskussion über die Pubertät. Schlaue, deutlich über 50-jährige philosophierten gemeinsam über "die heute oft so viel brutalere Rebellion" der Jugendlichen.

Interessant wurde es an dem Punkt, an dem die Schlauen Köpfe nach ihrer eigenen Pubertät gefragt wurden. Was war die übereinstimmende Aussage? "Ich glaube, ich war ein absoluter Ausnahmefall." Die eine sah die körperlichen Entwicklungen mit Schrecken, der andere "verkroch sich in sich selbst und ließ es nicht nach außen wirken".
Ach? Kenne ich. Beides.

Für mich beschreibt diese Aussage viel mehr das Gefühl der Pubertät als die Gewaltausbrüche einzelner. Sie beschreibt die Ursache, der Ausbruch ist nur eines von vielen möglichen Symptomen. Ich denke, fast jeder Jugendliche fühlt sich in dieser Phase als "Ausnahmefall". Man schaue sich nur mal Blogs vieler Jugendlicher an: Sie handeln oft genug von der Unmöglichkeit, verstanden zu werden.

Dann kam allerdings wieder etwas schlaues aus der Runde: "Ich denke, als Erwachsener leidet man an so etwas wie einer Amnesie. Obwohl jeder von uns diese Zeit selbst durchgemacht hat, erinnert sich kaum einer wirklich an die Gefühle und Ansichten, die er damals hatte."

Zu diesen beiden Apekten kommt m.E. eine falsch verstandene Freiheit. Das Fehlen von Anleitung, Ansprüchen und konkreten Vorschlägen ist nicht Freiheit, das ist eine Art Schweben im luftleeren Raum. Wie soll man lernen, sich zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen für die eigenen Entscheidungen, wenn man nicht durchschauen kann, welche Alternativen es gibt? Und das muss ein Jugenlicher erst lernen. Auch sich explizit gegen den Lebensentwurf zu entscheiden, den die Eltern für einen zusammengestrickt haben, gibt eine Richtung.

Wir Erwachsene haben unsere Wege gefunden, mit der Komplexität unseres Lebens umzugehen, sie zu reduzieren. Aber ein Jugendlicher hat diese Wege noch nicht, zumindest nicht in vollem Maße. Also verweigert er sich möglicherweise ganz - weil das unter Umständen seine einzige Möglichkeit ist, sich "gegen" etwas zu entscheiden. Auch wenn das sicher nicht bewusst geschieht, ist das möglicherweise ein Protest gegen dieses "hängen gleassen werden".

Wenn ich versuche, mich an die Zeit zwischen 14 und 18 zu erinnern, dann kommt es mir vor als hätte ich oft nach dem nächstliegenden gegriffen, weil ich einfach nicht überblicken konnte, was es außerdem noch geben könnte. Gegenteilige Reaktion, gleicher Auslöser.

Eltern sollten sich trauen, ihre Kinder anzuleiten, ihnen Vorschläge zu machen, ihnen Dinge anzubieten. Es ist keine Beschränkung ihrer Freiheit. Es ist eine Hilfe, ein Geländer, das der junge Mensch entweder ergreifen kann oder sich davon abstoßen. Was sie vielleicht besser machen könnten als unsere Eltern ist, das "sich Abstoßen" nicht so sehr als Enttäuschung zu sehen. Sondern dann nur klar zu machen, dass es eine Entscheidung ist, mit dem der junge Mensch leben muss. Wenn er das kann, ohne Reue, ist die Entscheidung gegen den elterlichen Plan ebenso gut wie das Folgen.

4.3.07 11:06
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Stefan / Website (5.3.07 09:47)
Ich "liebe" solche Diskussionen. Die Jugend von heute ist nicht besser und nicht schlechter als die Jugend von vorgestern, vorvorgestern oder vorvorvorgestern. Sie hat nur andere Dinge zu bewältigen als wir damals.

Ich denke, wir rauben unseren Jugendlichen viele Möglichkeiten der Rebellion und daher müssen sie ganz andere Geschütze auffahren, um überhaupt noch rebellieren zu können. Wir Erwachsenen tragen die gleichen Klamotten wie die Jugendlichen, hören die gleiche Musik, gehen (oder gingen) in die gleichen Läden wie die Jugendlichen, sind teilweise tätowiert oder sogar gepierced. Wo bleibt da noch die Abgrenzung von den Erwachsenen?

Meine Tochter ist 16 und geht in die gleiche Disco wie ich damals mit 16. Exakt der gleiche Laden, nur der Name hat sich geändert. Sie hört Hip Hop, wie ich mit 16 auch und ich kann mit Hip Hop immer noch etwas anfangen, wenn auch nicht mit jedem Interpreten oder jeder Band. Ich kann nachvollziehen, was sie an Eminem toll findet, weil er aus meiner Sicht der Elvis der heutigen Jugend ist. Rebellisch, aufmüpfig, obszön. All die Dinge, die mich als Jugendlichern auch angesprochen haben.

Insofern finde ich die Diskussion, ob die Jugend von heute besser oder schlechter ist, abgegriffen. Es sind die gleichen Argumente und Ansichten, die die Erwachsene der 50er, der 60er, der 70er und 80er hatten. Same shit, different time.


Light / Website (5.3.07 20:35)
@ Stefan - Ich hoffe mal, dass Deine Antwort sich nur auf den Aufhänger "Diskussionen über die heutige Jugend" bezieht. Denn anderfalls würde ich mich wundern, worauf Du Deinen Beitrag beziehst.

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