Meine Sicht der Dinge.

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Traumräume

Ich geb´s eher ungern zu, aber gelegentlich bin ich schon vor dem Fernseher an einer dieser Sendungen hängen geblieben, in der ein Raum oder eine ganze Wohnung als Überraschung für den Bewohner neu gestaltet wurde. Einige der Ideen sind ja ganz nett. Aber dann stelle ich mir vor, jemand würde das "für" mich tun. Ich würde ausrasten. Und das nicht vor Freude.

Na, vielleicht habe ich ja eine etwas zu liebevolle Beziehung zu meiner Wohnung. Meine eigene Wohnung, das ist für mich zugleich Freiheit und Geborgenheit. In gewisser Weise ist sie ein Stück meiner selbst. Fast alles darin habe ich selbst ausgesucht, das meiste auch selbst gekauft. Sogar Dinge, die mehr aus einer Notwendigkeit heraus in meine Wohnung kamen, haben für mich eine Geschichte, die ich nicht missen will. Nicht das sie jeder als "schön" empfinden würde. Aber ich.

Jede Veränderung von außen ist ein Eingriff in meine Privatsphäre. Das fühle ich fast körperlich. Wenn ein Besucher versehentlich etwas kaputt macht oder Flecken macht, dann muss ich mich arg zusammenreißen. Entsprechend entsetzt wäre ich, wenn jemand auf die Idee käme, mir eine dieser Fernsehsendungen auf den Hals zu hetzen und meine Bude umgestalten würde. Ich schätze, ich würde aus der Haut fahren und die Leute anbrüllen: "Ich gehe jetzt in ein Hotel. Und morgen sieht hier gefälligst alles wieder so aus wie vorher." Ich könnte einfach nicht anders, es wäre so, als würde ich eines morgens mit einem Tattoo auf der Brust aufwachen, das ich nicht wollte, ganz egal wie schön es auch gestaltet sein mag.

Autsch, ob es so etwas je gegeben hat? So eine Panne in der Überraschungswunderwelt? Natürlich würde die Fernsehgemeinde nie zu Gesicht bekommen, wie die Erna von den Maiglocken angebrüllt und ´rausgeschmissen würde. Die Hausfriedensbruch-Klage käme nie in die Medien. Die Zerrüttung einer Verwandschaft oder Freundschaft durch die "eindringliche" Sendung wäre auch nicht die richtige Publicity für so eine Sendereihe. Ich frage mich, ob die Überraschten wirklich immer völlig überrascht werden. Denn Menschen sind nunmal unberechenbar. Und welcher Sender hätte schon gern ne Klage am Hals.

22.2.07 22:59


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Zukunft?

Für meine Eltern hat es noch funktioniert. Sie haben gearbeitet bis sie knapp 60 waren und genießen seit dem einen gesicherten Ruhestand, Selbstverwirklichung und ein selbstbestimmtes Leben. Zwar haben sie die üblichen und auch zunehmenden Zipperlein, die das Alter so mit sich bringt, aber im Großen und Ganzen können sie das Leben nach der Arbeit jetzt genießen.

Wie wird das bei mir aussehen?

Das Rentenalter wird sicherlich noch mehrfach angehoben. Ich schätze, auf irgendwo um die 70 Jahre. Wenn ich denn das Glück haben sollte, so lange einen Job zu haben. Vielleicht werde ich irgendwann nach 50 ausgemustert und lebe fortan von HartzIV-Nachfolgemodellen und 1-Euro-Jobs. Das, was ich an sich schon mit rund 60 aus meiner privaten Rentenversicherung erhalten werde, wird dann vermutlich auf die Unterstützung angerechnet, sodass ich dann finanziell für den Rest meines Lebens auf eine Art Existenzminimum reduziert sein werde.

Das Gesundheitswesen wird unerschwinglich sein, gerade für Rentner. Akutes, Notfälle werden sicherlich grundversorgt. Aber neue Hüftgelenke alle 15 Jahre? Knieprothesen? Bypassoperationen? Schlaganfall-Reha? Augenoperationen?Vielleicht werden sich das nur noch Reiche leisten können.

In 30 bis 40 Jahren werden die Erdölreserven aufgebraucht sein. Es wird dann noch eine Weile Gas und Kohle plus erneuerbare Energien geben, aber die Energiepreise werden sicher erheblich steigen. Wenn ich mit 70 in Rente gehen kann, habe ich jetzt noch 32 jahre zu arbeiten, also ziemlich genau bis zur Energiekrise.

Die Umweltverschmutzung wird weitergehen. Auch wenn die jetzigen Industrienationen vielleicht wirklich eine Wende in ihrem ökologischen Verhalten geschafft haben sollten, wird der Nachholbedarf der ärmeren Regionen der Erde dafür sorgen, dass der Verschmutzungspegel weiter steigt. Ich kann´s verstehen. Die erste Welt wäre jetzt nicht wo sie ist, hätte sie nicht sorglos ausgebeutet und verschmutzt. Ausgerechnet die ärmeren sollen jetzt klüger sein und verzichten? Wohl kaum.

Klingt alles nicht so vielversprechend. Ich fühle mich oft, als säße ich in einem großen Buss, der auf eine Stahlbetonwand zurast. Jeder sieht es, jeder weiß es. Aber die Bussfahrer drehen der Wand lieber den Rücken zu und verteilen Erfrischungstücher im Fahrgastraum, als das Steuer anzufassen. Und auch die Fahrgäste rufen eher nach neuen Duftnoten für die Erfrischungstücher als nach einer grundlegenden Kursänderung.

Das Fazit ist eine Art von Resignation: Ich muss HEUTE leben. Ich kann nicht, wie meine Eltern, das Arbeitsleben in Pflichtbewusstsein und Hingabe an andere verbringen und auf eine Belohnung im Ruhestand warten. Ich werde auch keine weiteren finanziellen Mittel in meine Alterssicherung stecken (außer der o.g. Versicherung). Sondern in mein jetziges Leben investieren.

Und so denken viele: Pflichten wie Kinder vermeiden, keine Energie in karitative Arbeit oder sonstwie das Gemeinwohl stecken, auf das eigene hier und jetzt fixiert sein. Denn es wird nie eine Belohnung geben, es wird niemals besser als gerade jetzt sein. Und genau dieses Verhalten macht es ziemlich sicher, dass die böse Prophezeihung sich erfüllt. Der Dinosaurier Mensch wird keinen Kometen brauchen um seine Ära zu beenden.

17.2.07 00:40


Metaverse

Seit einigen Jahren steht ein Science Fiction auf der Liste meiner Lieblingsbücher immer ganz oben: "Snow Crash" von Neal Stephenson. Dieses Buch spielt zum Teil in einer virtuellen Welt, dem "Metaverse". Das lustige ist: Die Realität hat den Science Fiction mal wieder eingeholt. Das "Metaverse" ist in gewisser Weise Realität geworden und zwar in "Second Life" (SL) der Firma Linden Labs.

In Artikeln über Second Life (z.B. auf Wikipedia) und auch im Second Life selbst gibt es immer wieder Verweise auf das von Stephenson beschriebene Metaverse. An einer Stelle in SL habe ich sogar eine Art Denkmal für Autor und Buch gefunden.

In Second Life schafft man sich einen Avatar, eine Art Spielfigur. Diese ist völlig von den Notwendigkeiten des realen Lebens befreit: arbeiten, essen, wohnen ... kann man, muss man aber nicht. Ich habe mir einen kostenlosen Account geholt und streune eigentlich nur durch die Gegend. Gelegentlich knüpfe ich Kontakte zu anderen "Bewohnern". Zum Beispiel ein Student, der Spieledesigner werden will. Ein IT-Spezialist, der im SL Galerist ist und nun auch verfremdete Fotos von mir ausstellt. Kostet mich keinen Cent und noch nichtmal viel Arbeit. Und wer weiß, wenn noch anderen meine Bilder gefallen, kaufen sie sie vielleicht sogar. Für "Linden Dollars". So weit ich weiß sind etwa 250 L$ = 1 €. Ja ganz recht, da gibts nen Umtauschkurs. Man kann sich Spielgeld entweder kaufen oder verdienen.

Gelegentlich finde ich sehr hübsche "Orte" und wundere mich, mit wie viel Hingabe die Erbauer diese Plätze gestaltet haben.



Andere sind langweilig, darunter auch einige "professionelle" Auftritte - denn SL ist auch Firmen zugänglich. Wir haben uns in der Firma neulich auch eine Präsentation dafür angesehen. Das schöne ist: Langweilige Orte verlässt man einfach wieder. Es gibt keinen Zwang, keine Popup-Werbung. Die einzige Chance, die Firmen haben, ist ihr virtuelles Angebot so attraktiv zu machen, dass man sich freiwillig damit beschäftigt.

Ich bin ganz froh, dass ich diese Welt noch nicht kannte, als ich Rollenspielerin war. Es hätte mich sicherlich fasziniert, das erdachte Jagdschlösschen, das meine Figur bewohnte, in SL nachzubauen. In Stundenlanger Feinarbeit. So habe ich damals alles mit Worten beschrieben. Das war letztlich sehr viel nützlicher als das herumspielen mit Formen und Farben.

Trotzdem, diese virtuelle Welt hat was. Und groß ist sie. Ich fliege schon seit zwei Wochen immer mal wieder über Land (jo, fliegen kann man da auch, ganz ohne Fluggerät) und habe bisher nur einen Bruchteil gesehen. SL mag noch nicht auf dem neuesten Stand der Computergrafik sein - aber unter den Prämissen des "Selbstgestaltens" ist es schon recht beeindruckend. Es ist schließlich keine fertiggelieferte Spiellandschaft wie in so vielen anderen Computerspielen.

Second Life

P.S. Es soll auch bald eine deutsche Version geben. Die bisherige ist nur ein Beta-Test-Produkt und enthält nach Aussage des deutschen Tutorials in SL noch viele Übersetzungsfehler.

12.2.07 21:30


Von Mäusen und Zwergen

Eine Kollegin hat unserer Abteilung ein kleines Buch geschenkt, bevor sie in ihren Schwangerschaftsurlaub ging. Seither wird es von Kollege zu Kollege weitergegeben. Inzwischen habe auch ich es gelesen, und es ist wirklich ein nettes kleines Buch. Es ist eine Art Fabel, die einen Weg aufzeigt, mit Veränderungen im Leben umzugehen. "Die Mäusestrategie für Manager" (Original "Who moved my cheese?") von Spencer Johnson. Mit Managern hat es eigentlich nur so viel zu tun wie mit jedem anderen Menschen auch.

Es handelt von zwei Mäusen und zwei Zwergen in einem Labyrinth. Sie suchen Käse, Käse steht für die Dinge, die man sich im Leben wünscht. Sie suchen und finden ein großes Käselager. Die Mäuse fressen ihres nach und nach leer und gehen dann ganz selbstverständlich auf die Suche nach dem nächsten Käse. Die Zwerge hingegen hadern mit ihrem Schicksal, als ihre Käsevorräte zuende gehen. Sie finden es furchtbar unfair, dass ihr gemütliches Leben mit dem großen Käselager vor der Nase zuende geht, obwohl sie sich ja nichts zu Schulden kommen ließen.

Natürlich ist das nicht das Ende der Geschichte. Einer der Zwerge denkt nach, geht auf die Suche nach neuem Käse, findet irgendwann Spaß an der Suche selbst. Er entwickelt sich weiter, statt sich als Opfer zu sehen und in Selbstmitleid zu versinken. Er hört auf, Ängste vor sich aufzutürmen und sich an die Erinnerung an die guten alten Zeiten mit dem ersten Käselager zu klammern. Er erkennt die Sinnlosigkeit, fortwährend nur die Wiederherstellung des alten Zustandes zu fordern, denn das wird nicht geschehen. Er blickt nach vorn.

Dieses kleine Buch von kaum 100 Seiten in großer Schrift, Lesezeit vielleicht ne gute Stunde, würde ich gern mal unseren Chefs schenken. Oder Gewerkschaftsvertretern. Vor allem unserer Bundesregierung. Und überhaupt ganz Deutschland. Es ist nicht die Lösung aller Probleme, aber es zeigt eine Einstellung auf, zu der wir zurückfinden müssen. Nicht zu verharren und zu klagen, sondern fortwährende Veränderungen als die einzige Konstante in unserem Leben zu akzeptieren. Die Veränderungen selbst zu akzeptieren und als Chance zu begreifen. Vorauszuschauen und aktiv zu bleiben.

Mich dünkt, dass mir das Leben mal wieder etwas mitteilen will. Erst grüble ich über Lebenswanderwege und dann einen Tag später drückt mir eine Kollegin dieses Buch in die Hand. Ich glaube, ich habe gerade ein nettes Käselager gefunden. Aber ich sollte nicht vergessen, das auch dieses Käselager irgendwann leergefressen ist. Ich sollte aktiv bleiben.
Zurück in meiner eigenen Fabelwelt: ich sollte nicht auf die Bequemlichkeit des Höhenweges bauen sondern darauf gefasst sein, bald wieder bergan zu steigen, immer den Horizont im Blick. Wie nett, dass solche Erkenntnisse sich mal regelrecht aufdrängen - bevor es zu spät ist.

20.12.06 23:18


Lebenswanderweg

Ich packe meinen Lebenskoffer. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass ein Rucksack leichter zu tragen ist als ein Koffer, also denke ich nach und nehme lieber einen Rucksack. Viele nützliche Dinge müssen mit. Ein Vollzeit-Job und ein eigener Haushalt zum Beispiel. Die wiegen schon ziemlich viel, aber ich kann noch ganz gut ausschreiten damit, ich habe genug Kraft dafür.

Am Boden des Rucksacks haben sich allerdings im Laufe der Jahre ein paar andere Gewichte angesammelt. Psychische Verletzungen, menschliche Enttäuschungen. Sie wiegen auch ganz schön, aber ich bin ja darauf trainiert, sie zu tragen. Jeder hat diesen Bodensatz und niemand kann ihn auspacken.

Und dann, ganz oben, packe ich noch ein paar Sachen hinein, die mir Freude machen. Nach der Pflicht die Kür. Meine Hobbies, meine Freunde und ein bisschen Familie. Das bedeutet zwar mehr Gewicht, aber eher in dem Sinne wie Wegzehrung und Getränke: Man muss sie erst einmal tragen, um dann gelegentlich aus ihnen Kraft schöpfen zu können.

Ich besehe mir meinen Rucksack. Er hat jetzt so etwa 20 kg. Nicht leicht. Nicht unmäßig schwer. Machbar, auch über längere Strecken. Ich schnalle mir meinen Rucksack auf den Rücken und gehe los. Heiter setze ich Fuß vor Fuß, den Blick auf den Horizont gerichtet. Ich könnte jetzt zurückblicken und schauen, wie weit ich mich schon von Ausgangspunkt entfernt habe, aber das ist nicht meine Art. Der Horizont ist es, der meinen Blick auf sich zieht und fesselt.

Manchmal gehe ich durch ziemlich düstere Täler und muss mich ziemlich anstrengen, meinen Blick auf den nächsten Berg zu richten und Hänge zu erklimmen. Und es bedarf der Umsicht und weiterer Anstrengung, oben zu bleiben, in der dünneren Luft, wachsam zu bleiben um nicht durch einen unbedachten Fehltritt wieder im Tal zu landen. Was natürlich trotzdem gelegentlich passiert. Aber ich rapple mich immer wieder auf und suche ohne Hast den Weg zurück nach oben.

Andere Lebenswanderer begegnen mir. Viele kreuzen nur kurz meinen Weg, man tauscht einen freundlichen Gruß und ein paar Worte, das war´s. Andere gehen eine ganze Weile neben mir her. Manche darunter tragen klaglos schwerere Rucksäcke als ich und ich bewundere sie lächelnd. Andere mühen sich mit unhandlichen Koffern ohne Griff ab. Meine gutgemeinten Ratschläge, Riemen daran zu befestigen um ihre Lebenslasten besser in den Griff zu bekommen, werden aggressiv als Besserwisserei abgewehrt. Ich zucke die Schultern und lasse sie hinter mir. Einige Wanderer an Rande regen sich darüber auf, dass ich diesen Menschen nicht helfe. Ich sage ihnen, dass sie selbst helfen sollen, statt sich über mich aufzuregen, wenn sie dieser Meinung sind. In meinen Augen verdient jemand, der sich selbst nicht helfen will, meine Hilfe nicht.

Manche balancieren ihre Koffer gefährlich auf ausgestreckten Armen vor sich her, beeindrucken zunächst durch ihre Akrobatik und bitten dann um Hilfe. Ein paar Mal falle ich darauf herein und trage die Lasten mit, auch wenn es eigentlich über meine Kräfte geht. Ich trage schon 20 kg. Weitere 20 kg halte ich nicht lange aus. Manchmal merke ich dann, dass diese Menschen keine Akrobaten sind, die nur kurz Hilfe brauchen, sondern Menschen, die sich selbst nicht ausreichend anstrengen wollen. Lebenskünstler nennt man so etwas, denke ich.

Man kann aber nun einmal keinen Weg gehen, ohne sich anzustrengen. Schon gar nicht den Weg des Lebens. Also lasse ich deren Lasten fallen und wende mich ab, damit nicht am Ende ich es bin, die fällt. Ich habe Kraft, aber sie ist begrenzt. Und wenn ich falle, ist niemandem geholfen. Die Zurückgelassenen schimpfen natürlich, aber schon drei Schritte weiter sind sie nur noch Vergangenheit. Mein Blick gilt dem Horizont.

Bei ein paar Menschen halte ich inne und versuche, beim Befestigen der Riemen zur Hand zu gehen oder sogar die Lasten zu entrümpeln und in einen Rucksack umzupacken. Das mache ich gern. Ich helfe auch gern mal ein bisschen deren Koffer oder Rucksack zu tragen, bis diese sich von dem vorherigen, umständlichen Herumzotteln so weit erholt haben, dass sie ihn wieder allein tragen können. Es freut mich, wenn sie dann ihren eigenen Rucksack nehmen und den Blick weg von ihrer Last auf den Horizont richten und in einen neuen Sonnenaufgang lächeln. Mit ein bisschen Glück kann ich gerade mit diesen Menschen immer mal wieder ein Stück des Weges gemeinsam gehen.

Im Moment gehe ich auf einem Höhenweg und der Horizont ist weit. Über mir linsen die Wolken meiner Träume um glitzernde Berggipfel herum und zwinkern mir zu. Ich genieße meine eigene, heitere Gelassenheit und visiere den nächsten Berggipfel an. Nicht den höchsten. Einfach den nächsten. Er ist noch ein ganzes Stück weit entfernt. Vorerst muss ich es schaffen, eine ganze Weile auf dem Höhenweg zu bleiben, mir weiterhin der Täler an den Seiten bewusst zu sein, um nicht nachlässig zu werden. Und weiter zu gehen. Weiter. Immer mit einem Lächeln in den Augen für den nächsten Sonnenaufgang.

17.12.06 15:15


Eine gute Ausrede ist immer viel wert.

Schrecklich, wenn ein Jugendlicher Amok läuft. Verzweifelt sucht man nach Gründen und Schuldigen. Wie überaus praktisch, wenn sich dann herausstellt, dass der Junge gern am Computer spielte, und zwar mit harten Ego-Shootern.

Das der Junge auf Fotos in voller Tarn-Montur zu sehen ist, zu sehen, weil ein anderer ihn so in Pose fotografiert hat, der echte Waffen und echte Soldatenspiele vermutlich toll. Dass er sich Waffen und Sprengstoff besorgen konnte, das rückt an den Rand des Interesses. Aber freudig greifen Politiker nach dem einfachsten und so schön deutschen Mittel: Dem Verbot.

Aber natürlich nicht dem Verbot von realen Kampfspielen, dem Verbot (und dessen Durchsetzung) von online-Waffenhandel. Nein, Computerspiele wollen sie verbieten. Und vermutlich sind das Leute, die nie in ihrem Leben auch nur einmal so ein Spiel gespielt haben. Ganz gleich wie realistisch die Egoshooter auch werden, sie sind kein Grund für einen jungen Menschen sich so ungeliebt zu fühlen, dass er alle um sich herum und sich selbst vernichten möchte.

Es geht eben immer nur darum, Aktion(ismus) zu zeigen, Sinn und Verstand sind dabei weniger wichtig.

21.11.06 22:29


Abteiltes Leid ist doppeltes Leid.

Bahnfahren ist doch immer wieder was schönes. Natürlich habe ich mich abgehetzt um rechtzeitig am Zug zu sein. Um mir dann die Beine in den Bauch zu stehen, weil der superschnelle ICE mit Verspätung in den Bahnhof rast.

Auch die Platznot am Freitag Abend kenne ich schon. Also sofort und ohne zu zögern auf den erstbesten Platz. Darf auch ein Raucherabteil sein, Hauptsache ich krieg ´nen Sitzplatz. Meistens klappt das ganz gut.

Manchmal kann ich mich dabei aber auch wirklich nur über die Möglichkeit zu sitzen freuen. Ich hätte gern auch noch Ruhe zum Lesen, aber das wäre dann schon Luxus.

Stattdessen darf ich den Lebensweisheiten eines 21-jährigen Berufssoldatens oder dem verbalisierten Geltungsbedürfnis einer missionarischen Mittvierzigerin lauschen. Ich darf nicht nur, ich muss. Denn der naseweise Fallschirmspringer sitz mir direkt gegenüber und die Angeberin direkt neben mir und die beiden unterhalten sich haarscharf an meinem Kopf vorbei.

Da lesen unter diesem mündlichen Dauerfeuer unmöglich ist, habe ich mich auf´s Schreiben verlegt. Das weibliche Schnellfeuergewehr linst manchmal herüber, als wolle sie erforschen, was ich hier so vor mich hin schreibe. Aber zum Glück ist meine Handschrift so unleserlich, dass Madame Plapperfrei von der Seite und unter den Vibrationen des Zuges keine Chance hat.

Inzwischen ist sie bei der Verbreitung ihrer einzig wahren und alleingültigen Kenntnis der weltpolitischen Lage angelangt. Sie weiß ganz genau, was falsch und was richtig ist, ohne jemals auf die Idee zu kommen, ihre Worte mit einem "ich denke" oder "ich finde" als persönliche Meinung zu kennzeichnen und zu relativieren.

"Selbst-verständlich" ist alles, was sie sagt - sie spricht ja auch laut genug. Wir alle in diesem Abteil hängen an ihren Lippen - das heißt, das würden wir gern, denn dann könnte sie nicht mehr sprechen. Vermutlich ist dies eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen jemand ihr zuhört. Daher auch diese geradezu brutale Art, unser aller Notlage so schamlos auszunutzen. Wir können nicht weg. Der Zug ist voll.

Warum habe ich immer wieder das "Glück" mit solchen Leuten in Abteilen zu landen? Es gibt so viele nette Menschen. Aber die netten Menschen sind still, fallen gar nicht auf. Um so deutlicher hebt die Gemeinde der Besserwisser sich von ihnen ab.

Und irgendwo in meinem Hinterkopf flüstert ein Stimmchen: "Hör Dir gelegentlich selbst zu und pass gut auf, dass Du nicht auch so wirst."

19.10.06 20:52


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