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Schizophrenie der Freiheit

Ist es nicht seltsam, wie die Bedeutungslosigkeit einem die Freiheit geben kann, bedeutendes zu tun? Das Unbeobachtetsein lässt Fehler in gnädigem Desinteresse versinken. Doch wenn dann etwas Gutes sich tut, dann breitet es sich aus, wenn man will. Wenn man ein wenig nachhilft. Und erst dann formen sich Erwartungen, Ansprüche, formt sich Kritik und Widerstand.

Vielleicht ist es das, was so viele Stars zu Fall bringt: In der Zeit, wenn sie bekannt werden, verwirklichen sie Träume - später müssen sie den geweckten Erwartungen nachlaufen, versuchen, den Raum auszufüllen, den sie geschaffen haben. Sie werden beobachtet, beurteilt, kritisiert wo sie Anfangs nur Bewunderung ernteten.

Manchmal bin ich ganz dankbar für meine persönliche Bedeutungslosigkeit. Wenn ich in meinen Hobbies gute Leistungen erbringe, dann kann ich mich entscheiden, sie anderen zugänglich zu machen - oder auch nicht. Machte ich diese Hobbies zum Beruf, dann wäre es mit der Freiheit vorbei.

Und so ist Freiheit ein bisschen Schizophren: Je besser ich meine Freiheiten nutze, um so mehr kann es sein, dass ich sie beschränke ...

Hobby

23.7.07 22:36


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Laokoon

Zäh und schwer kroch sein langer Hals an meinem Rücken empor und suchte mich mit seinem Gewicht zu erlegen während ich mühsam sein gefräßiges Maul gegen den Boden zu drücken versuchte. Feine Tentakeln schlangen sich um meine Knöchel, nur mit Mühe konnte ich verhindern, dass sie mich zu Fall brachten. Ich drängte ihn in eine Ecke, zwängte seinen Rachen in den engen Winkel, dass er nur so aufheulte. Er knurrte mich an, aus tiefstem, hungrigen Bauche und sein Fauchen blies mir in perfider Hinterlist meine Locken in die Augen. Immer stärker verfing ich mich in seinem schlangengleichen Gewirr.

Angestrengt rang ich die sich fester ziehenden Schlingen nieder, zog und zerrte an den Fußfesseln bis ich ihnen zu entsteigen vermochte. Meine Finger suchten jenen Punkt an seinem Körper, der seine Gier stoppen, seinem brüllenden Verlangen ein vorläufiges Ende setzen konnte.

Endlich, endlich fand ich die Stelle mit jenem heidnischen Symbol, das die Quelle aller häuslichen Energien symbolisierte und presste meine Finger tief hinein. Seiner Kräfte beraubt röchelte er noch kurz und verstummte. Seine Tentakeln zogen sich tief in seinen gepanzerten Korpus zurück. Selbst in seiner Leblosigkeit erschien er noch furchterregend. Atem schöpfend trat ich beiseite und genoss meinen Triumpf. Mit letzter Kraft verfrachtete ich das Monster zurück in seine Höhle. Möge es dort ruhen - bis zum nächsten Kampf in der heimatlichen Arena.

Demnächst sollte ich mir beim Staubsaugen wohl die Haare zusammenbinden.

29.6.07 23:09


Es könnte so einfach sein.

Beim Zappen blieb ich heute bei dem Auftritt der Fantastischen Vier bei Wetten Das hängen. Der Titel: Einfach Sein. Das Leben könnte so schön einfach sein. Nun ja, der Text dreht sich eher um verulkte Wunschträume. Aber der Refrain erinnerte mich an einen Gedanken, der sich mir aus irgend einem Grunde besonders in letzter Zeit aufdrängt: Wenn alle sich an die Regeln der Rücksicht und Höflichkeit hielten, wäre das Leben so schön einfach.

Regeln die jeder kennt. Auf der Rolltreppe rechts stehen, links gehen. Funktioniert auf der ganzen Welt - nur in Deutschland nicht. Überhaupt, Rechtsverkehr. Gaaanz schwierig nicht? Rechts gehen - ich meine, auch so als Fußgänger, auf dem Gehsteig, im Kaufhaus, in der engen U-Bahn-Unterführung? Und links Platz für Überholer und den Gegenverkehr lassen. Scheint hier keiner auf die Idee zu kommen, dass das auch ohne Auto unterm Hintern praktisch sein könnte, oder?
Oder Radwege für Radfahrer freilassen? Da wird man noch grimmig angebrummelt, wenn man da klingelt. Auf dem Radweg wohlgemerkt.

Im Zug beim Einsteigen auf die Wagennummer achten, wenn man ne Reservierung hat scheint auch schwierig zu sein. Nein, es ist nicht der ganze Zug durchnummeriert, Ihr Platz 85 ist ein anderer, der in Wagen 9, nicht der hier in Wagen 8.

Oder bei C&A die Ware, die man kurz angeguckt, aber nicht anprobiert hat wieder ordentlich an den Ständer hängen? Und anprobiertes auf den Ständer vor den Umkleidkabinen hängen, von dem aus die Angestellten alles wieder einsortieren. Nee, die Zeit hat man ja nicht, einfach in der Kabine hängen oder am besten auf dem Boden liegen lassen. Bei C&A sah´s heute Abend aus, als hätte ne Bombe eingeschlagen. Blusen und Hängerchen in den Kabinen, vor den Kabinen, auf dem Fußboden, quer über die Ständer geworfen, günstigstenfalls halb zwischen die anderen Modelle gestopft. Bin direkt wieder raus. Konnte auch den Verkäuferinnen nicht böse sein - gegen so ein Chaos kommt man halt während des Tagesgeschäfts nicht an.

Auch schön heute im Supermarkt: Fragt mich ein junger Mann, wo er Pflanzenöl fände. Wusste ich nicht, wies aber auf einen Mitarbeiter des Supermarktes, der sicherlich besser helfen konnte. Wortlos zuckelte der junge Mann ab. Danke ist ein schweres Wort, nicht? Klar, ich hab ihm nicht direkt helfen kpönnen, aber im umgekehrten Falle hätte ich mich bedankt, für die kurze, freundliche Aufmerksamkeit. Aber das ist in Deutschland sowieso ganz selten. Einfach mal Danke sagen.
Ebenso ungewöhnlich: an der Kasse hinten anstellen - und wenn eine neue aufmacht einfach neu einsortieren? Neee, wettrennen und -rempeln, um die oder der Erste zu sein, macht mehr Spaß, gell?

Einfach keinen Müll auf die Straße werfen. Einfach in der vollen U-Bahn die Leute erst aussteigen lassen bevor man einsteigt und die Tasche auf den Schoß nehmen, statt mit ihr einen ganzen Sitzplatz zu blockieren. Im Auto einfach mal jemanden vor sich reinlassen aus der Nebenstraße.

In Galerien sich einfach nicht anderen Bildbetrachtern vor die Nase stellen. Hatte ich neulich wieder live und in Farbe: Zwei aufgetakelte Twen-Tussis stellten sich vor ein Bild und besprachen lauthals, wer schon wieder ne neue hat und wer mit wem in Bett war. Ich blieb weiter stehen und starrte nun gezwungenermaßen die beiden an, an Stelle des Bildes, vor dem ich gestanden hatte. Irgendwann merkten sie es, sahen mich entgeistert an, schienen dann erst zu begreifen, dass sie vor einem Bild standen und bewegten sich endlich ein paar Zentimeter weiter. Kleine Tipps: Selbst Bilder mit über 2 m Höhe möchte mancheiner ganz betrachten und tritt deshalb ein Stück zurück. Einfach einen Augenblick warten, wenn man selbst näher ran möchte. Und für den Tratsch gibt es heute in fast jedem größeren Museum ein ganz entzückendes Café.

Einfach mal mitdenken und Rücksicht nehmen. Und das Leben wäre ein wenig stressärmer und eben: einfacher.

23.6.07 23:47


To be, to do ...dobedooo

Neulich fragte mich jemand in einem Chat: Wer bist Du?
Und ich legte los: "Also ich bin Marketing-Fachfrau und Hobbyfotografin, schreiben tu ich auch gern ... " Er stoppte mich. "Nein, das tust du. Aber wer bist Du?" Ich stutzte kurz und meinte nur: "Na ich bin ich - was soll ich sonst dazu sagen?"
Wenige Tage später hatte ich mit meiner besten Freundin (knuddel Süße!) ein Gespräch über Stress und den Drang immer irgend etwas zu tun. Und dass man auch mal das Recht hat nichts zu tun, Ruhe zu finden. Dann fragte sie mich "Aber wer bin ich denn, wenn ich nichts tue?" Und meine Antwort war wieder etwas hilflos. "Na, Du bist eben Du."

Ich begann also darüber nachzudenken, wie sich eine bessere Antwort auf diese Frage finden ließe: Wer bin ich?
Die Summe meiner Physis, meiner Psyche, meiner Erfahrungen, meiner Gedanken und meiner Taten. Ein äußerst komplexes Geflecht.

Also ist erstens eine Menge da, auch wenn ich nichts tue. Es ist dann eben nur in mir. Aber es ist da.

Und zweitens verleihe ich diesem Sein durch Taten Ausdruck. Sprechen, zuhören, arbeiten, fotografieren, schreiben, helfen, meine Kleidung wählen, tanzen ... und was ich sonst alles so tue. Aber es eben nur der Ausdruck dessen, was da ist.

Drittens sehe ich keine Notwendigkeit, mich ununterbrochen auszudrücken. Ich bin - auch wenn ich nichts tue. Selbst im Schlaf bin ich. Nur dann eben nicht wahrnehmbar für andere. Wir Menschen sind soziale Wesen, daher lieben wir es, uns auszudrücken und in diesem Ausdruck auszutauschen. Wir mögen Feedback und vor allem natürlich Bestätigung. Wir brauchen Kritik, um an uns arbeiten zu können. Aber es besteht keine Notwendigkeit, das ununterbrochen zu tun. Es besteht keine Notwendigkeit, in jedem Moment des Lebens für andere nützlich oder auch nur wahrnehmbar zu sein.

Viertens beurteilen wir natürlich alle Menschen um uns anhand ihres Handelns. Aber wenn man einen Menschen näher kennenlernt, so wie zum Beispiel ich meine beste Freundin, dann wird die Wahrnehmung komplexer. Es formt sich ein Persönlichkeitsbild, das über das bloße Handeln hinausgeht. Es ist so mehrdimensional wie das Sein. Aber es ist nur ein Abbild, nicht das Sein selbst. Doch wenn man mag, dann mag man es auch dann, wenn es sich gerade keinen Ausdruck verleiht. Oder wenn es neue Facetten hinzufügt - je nach dem.

Wenn mich also demnächst jemand fragt, wer ich sei, dann antworte ich: Eine komplexe Persönlichkeit. Mit meinem Handeln verleihe ich dem Ausdruck. Lerne es kennen und kannst dir ein äußeres Bild von dem machen, wer ich im Inneren bin.

2.6.07 23:00


Zukunft!

Die Zukunft wird wieder interessant. Die Medien machen den Klimawandel zum Dauerthema, das ZDF und Arte bringen die Sendung "2057" und entdeckt die Faszination Zukunft neu. Denn auch wenn Probleme mit-thematisiert werden in dieser Reihe, ist der Tenor eine Hommage an die Faszination Zukunft. Und wie sagte Frank Schätzing so schön zum Abschluss der heutigen Sendung? "Es gibt jede Menge Probleme - aber mindestens ebensoviele Lösungen. ... Wir können nicht alles genau vorhersehen, aber ist es nicht besser, mit einer beschlagenen Brille durch den Wald zu gehen, als völlig blind?"

Die Medien entdecken die Vermittlung von Wissen neu, selbst komplexe Forschungsfelder wie die Astrophysik und Medizintechnik werden zu potentiellen Quotenhits - und gern werden Elemte der Science Fiction genutzt, um dieses Wissen zu vermitteln, werden die Erkenntnisse über das Beispiel erdachter Schicksale von fiktiven Personen vermittelt.

ZDF: 2057

Biotechnologie 2020

Ich frage mich oft, warum nicht mehr Menschen dieses Interesse an der Zukunft aufbringen, in einer Mischung aus Wissenschaft und Spekulation. Science Fiction wird bisher als B-Genre abgetan, identifiziert mit Geschichten über Raumschiffe und Lasergewehr-Kriege. Dabei beschäftigt sie sich mit dem spannensten Thema der Welt: Der Entwicklung des Menschen. Sie projeziert heutige Technologie und heutige gesellschaftliche und psychische Entwicklungen in die Zukunft, verlängert sie in gedachten Linien oder Kurven. Sie ist nicht in der Lage, die wirkliche Zukunft vorherzusehen, das will sie auch gar nicht. Sie kann aber zeigen, wohin Entwicklungen führen könnten, im positiven wie im negativen. Wie entwickelt sich die Technik? Wie die Gesellschaft? Wie entwickelt sich der Mensch mit und in beidem?

Vielleicht gibt es ja einen neuen Boom der Science Fiction. Je tiefer die Wissenschaft vordringt (ganz gleich ob Natur- oder Geisteswissenschaft), desto anspruchsvoller wird auch dieses Genre. Pure Fantastereien haben immer weniger Platz, Fantasy und SF bewegen sich meine Ansicht nach auseinander - und das ist gut so. Es geht nicht nur um die Flucht in Gedankenwelten, es geht um uns. Ich empfinde gute Science Fiction weniger als "Flucht" als die Romane der Jetztzeit, die Soaps und Filmchen, die nur von der eigenen Realität ablenken sollen, die Gefühlsebene ansprechen und abgesehen davon nicht viel mehr vermitteln.

Ein anderes Beispiel sind Science Fiction Conventions. Wenn überhaupt bekannt, dann werden sie sicher gern als Versammlung von Möchtegern-Jedirittern und "Spinnern" gesehen. Dabei gelingt es hier relativ kleinen Gruppen mit sehr begrenzten Mitteln anspruchsvolle und abwechslungsreiche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Zumindest war das bei der Convention der Fall, die ich am vergangenen Wochenende besucht habe. Wissenschaftliche Vorträge waren ebenso ein Teil davon wie Autorenlesungen- und Live-Interviews, eine multimedial gestaltete Lesung, eine Kunstaustellung, Workshops, eine witzige und durchaus auch selbstironische Show, Musikdarbietungen und kritische Diskussionen.

Da ich mit zwei Machern des Dort.cons befreundet bin und auch große Teile des restlichen Kommitees kenne, weiß ich, wie viel persönliches Engagement in diesen Cons steckt. Was dabei herauskommt, ist inhaltlich hervorragend, formal vielleicht noch etwas handgestrickt, aber vielleicht ändert die zunhemende Aufmerksamkeit für die Zukunftsforschung und die Science Fiction daran etwas - denn je mehr Besucher, desto mehr Sponsoren, desto professioneller die Ausgestaltung.

Dort.con

Vielleicht hilft uns die "Faszination Zukunft", die anstehende Probleme positiver anzugehen. Es ist längst nicht so, dass wir alles wissen und alles können. Die Zukunft hält noch viel für uns bereit.

25.3.07 21:10


Gleichgewicht

Vitamine. An sich eine Gute Sache. Doch, oh weh? Was hört man da? "Plötzlich und unerwartet" wird herausgefunden, dass die Vitamine A, E und Beta Carotin in Überdosen schädlich sind. Welch überrraschende Erkenntnis. Komisch nur, dass ich das schon vor über 20 Jahren im Biologieunterricht in der Schule gelernt habe. Noch vor der Oberstufe. Aber jetzt wird verteufelt, was bis vor ein paar Jahren noch hoch gelobt wurde.

Die Menschen übertreiben es eben immer.

Wenn Antibiotika gegen Infektionen helfen, dann verschreibt man doch einfach mal welche "zur Prevention". Und auch bei viralen Erkältungen, obwohl Antibiotika gegen Viren nur wenig ausrichten. Jetzt wundert man sich, dass resistente Bakterienstämme zunehmend zum Problem werden, dass TBC, die Pest und andere totgeglaubte Schreckgespenster wieder an unsere Türen klopfen.

Aspirin hilft gegen Herzinfarkt, wurde lange Zeit kommuniziert. Und schon fraßen manche Männer das Zeug täglich. Heute wundern sie sich, dass sie nach Jahren der Dauereinnahme zwar keinen Herzinfarkt haben - aber dafür Asthma entwickeln.

Unser Körper ist ein Wunderwerk. Er hält verdammt viel aus. Aber die einseitige Belastung mit immer den selben Stoffen kann er unter Umständen irgendwann nicht mehr ausgleichen. Und darum geht es. Um Gleichgewichte. Der Körper braucht ganz leichte Ungleichgewichte als Anregung zum Funktionieren. Aber ständige, einseitige Belastungen - auch mit "gesunden" Stoffen - werden früher oder später oft gefährlich. (Anders kann es sein, wenn dem Körper etwas zugeführt wird, das er für sein Gleichgewicht braucht,)

Man kann sich ja selbst mit Wasser vergiften, wenn man zum Beispiel in unseren milden Breiten (also nicht bei Hitze) über 5 Liter am Tag trinkt. Aber nur weil diese einseitige Belastung eine potentielle Gefahr ist, müssen wir nun nicht das Wasser verteufeln. Wir brauchen 2 bis 3 Liter am Tag, auf die Dosierung kommt es an.

Also in Erkältungszeiten ab und zu nen Vitaminsaft zu trinken, ab und zu mal nach dem Essen ne Vitamintablette zu nehmen, ist prima. Nur nicht ständig und jeden Tag und nicht immer das gleiche. Dann hat der Körper zwischendurch immer wieder Gelegenheit, sich eventuellen Überschüssen zu entledigen.

Antibiotika zu nehmen, wenn man sie gegen baktierelle Infektionen verschrieben bekommt, ist in Ordnung. Wenn man sie wirklich so lange nimmt, wie sie verschrieben sind. Nicht kürzer und nicht länger. Denn auch ihre Dosierung ist ausbalanciert. Stört man diese Balance, züchtet man entweder resistente Erreger (verkürzte Einnahme) oder zerstört vielleicht unsere eigenen Symbionten, zum Beispiel im Darm (zu lange Einnahme).

Eine Kopfschmerztablette ab und zu ist nicht schlimm. Was immer störendes im Körper zurückbleibt, der Körper ist in der Lage, es wieder abzubauen und auszustoßen, wenn er zwischendurch die Zeit bekommt. Die Zeit um die inneren Gleichgewichte wieder herzustellen.

Übrigens gilt das auch fürs Essen. Einseitigkeit ist von übel. Ab und zu sollte man sogar die Marken wechseln. Weil jede Margarine ein wenig anders zusammengesetzt ist. Jede Marke von Tiefkühlkost andere Anbaugebiete hat. Jede Dosensuppe ein wenig anders ist.

Wer täglich massenhaft Obst isst, um sich gesund zu halten, kann eine Überraschung erleben, wenn er zu Allergien neigt: Die Übersäuerung des Körpers kann die Allergieneigung verstärken. Also lieber an einem Tag Orangen futtern, dafür am nächsten Kohlrabi oder Salat ohne Essig.

14.3.07 22:11


Ewige Jugend

Gerade hörte ich auf 3Sat eine Diskussion über die Pubertät. Schlaue, deutlich über 50-jährige philosophierten gemeinsam über "die heute oft so viel brutalere Rebellion" der Jugendlichen.

Interessant wurde es an dem Punkt, an dem die Schlauen Köpfe nach ihrer eigenen Pubertät gefragt wurden. Was war die übereinstimmende Aussage? "Ich glaube, ich war ein absoluter Ausnahmefall." Die eine sah die körperlichen Entwicklungen mit Schrecken, der andere "verkroch sich in sich selbst und ließ es nicht nach außen wirken".
Ach? Kenne ich. Beides.

Für mich beschreibt diese Aussage viel mehr das Gefühl der Pubertät als die Gewaltausbrüche einzelner. Sie beschreibt die Ursache, der Ausbruch ist nur eines von vielen möglichen Symptomen. Ich denke, fast jeder Jugendliche fühlt sich in dieser Phase als "Ausnahmefall". Man schaue sich nur mal Blogs vieler Jugendlicher an: Sie handeln oft genug von der Unmöglichkeit, verstanden zu werden.

Dann kam allerdings wieder etwas schlaues aus der Runde: "Ich denke, als Erwachsener leidet man an so etwas wie einer Amnesie. Obwohl jeder von uns diese Zeit selbst durchgemacht hat, erinnert sich kaum einer wirklich an die Gefühle und Ansichten, die er damals hatte."

Zu diesen beiden Apekten kommt m.E. eine falsch verstandene Freiheit. Das Fehlen von Anleitung, Ansprüchen und konkreten Vorschlägen ist nicht Freiheit, das ist eine Art Schweben im luftleeren Raum. Wie soll man lernen, sich zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen für die eigenen Entscheidungen, wenn man nicht durchschauen kann, welche Alternativen es gibt? Und das muss ein Jugenlicher erst lernen. Auch sich explizit gegen den Lebensentwurf zu entscheiden, den die Eltern für einen zusammengestrickt haben, gibt eine Richtung.

Wir Erwachsene haben unsere Wege gefunden, mit der Komplexität unseres Lebens umzugehen, sie zu reduzieren. Aber ein Jugendlicher hat diese Wege noch nicht, zumindest nicht in vollem Maße. Also verweigert er sich möglicherweise ganz - weil das unter Umständen seine einzige Möglichkeit ist, sich "gegen" etwas zu entscheiden. Auch wenn das sicher nicht bewusst geschieht, ist das möglicherweise ein Protest gegen dieses "hängen gleassen werden".

Wenn ich versuche, mich an die Zeit zwischen 14 und 18 zu erinnern, dann kommt es mir vor als hätte ich oft nach dem nächstliegenden gegriffen, weil ich einfach nicht überblicken konnte, was es außerdem noch geben könnte. Gegenteilige Reaktion, gleicher Auslöser.

Eltern sollten sich trauen, ihre Kinder anzuleiten, ihnen Vorschläge zu machen, ihnen Dinge anzubieten. Es ist keine Beschränkung ihrer Freiheit. Es ist eine Hilfe, ein Geländer, das der junge Mensch entweder ergreifen kann oder sich davon abstoßen. Was sie vielleicht besser machen könnten als unsere Eltern ist, das "sich Abstoßen" nicht so sehr als Enttäuschung zu sehen. Sondern dann nur klar zu machen, dass es eine Entscheidung ist, mit dem der junge Mensch leben muss. Wenn er das kann, ohne Reue, ist die Entscheidung gegen den elterlichen Plan ebenso gut wie das Folgen.

4.3.07 11:06


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